Häufig gestellte Fragen zur EPP
Ist EPP dasselbe, an dem Hannelore Kohl litt?
Nein, Frau Kohl litt vermutlich an einer erworbenen Form von
Lichtunverträglichkeit, wie sie als Nebenreaktion auf manche Medikamente
auftreten kann. EPP dagegen ist angeboren, das bedeutet es ist ein ererbter
Defekt eines bestimmten Gens, und die Symptome beginnen schon im
Kleinkindalter.
Ist EPP dasselbe wie die „Mondscheinkrankheit“?
Als Mondscheinkinder werden häufig die Betroffenen einer
anderen Erbkrankheit, der Xeroderma Pigmentosum (XP), bezeichnet. XP-Patienten müssen sich konsequent vor dem UV- Anteil der Sonnenstrahlung und künstlicher Lichtquellen schützen, da sie ein sehr hohes Risiko haben schon früh im
Leben Hautkrebs zu entwickeln. Der Alltag der Betroffenen ist dadurch extrem eingeschränkt. EPP -Betroffene dagegen reagieren auf den
sichtbaren, farbigen Teil der Strahlung. Sie entwickeln sehr starke Schmerzen durch den Kontakt mit Sonnenlicht, führen aber in den allermeisten Fällen ein – mit Einschränkungen- ziemlich
normales Leben.
Ist die EPP eine Art Sonnenallergie?
Nein. Eine Allergie wird durch die Überreaktion des Immunsystems ausgelöst. Die EPP dagegen ist ein ererbter Stoffwechseldefekt, bei der sich Vorläuferprodukte des roten Blutfarbstoffs anreichern, die Licht aufnehmen und als Energie wieder abgeben können. Anders als bei Sonnenallergien sind bei EPP nur Hautstellen betroffen, die dem Licht ausgesetzt sind.
Helfen bei EPP Sonnencreme und UV- Schutzkleidung?
Nein, die Symptome der EPP werden durch sichtbares Licht
ausgelöst, nicht durch die unsichtbare UV- Strahlung im Sonnenlicht. Sonnencreme
hat eine Schutzwirkung im UV-B und UV-A, nicht aber im sichtbaren Bereich (sonst
wäre die Creme selbst nicht durchsichtig). UV- Schutzkleidung ist aus denselben
Gründen bei EPP nicht sinnvoll, einige Substanzen wandeln die UV- Strahlung sogar
in sichtbares Licht um und erhöhen damit die
Gefahr Symptome zu entwickeln. Am besten schützen dichte, dunkle oder gelbe Baumwollstoffe, oder z.B. mit reflektierender
Folie beschichtete Trekkingschirme.
Hat die EPP eine
psychische Komponente?
Nein. Jedenfalls nicht über den Anteil hinaus, den alle
anderen Befindlichkeiten auch haben- ist man nicht gut drauf, ist ein
Kopfschmerz belastender als sonst. Eine EPP ist genau so „psychisch überlagert“
wie ein gebrochenes Bein.
Helfen bei EPP alternative Heilmethoden?
Nein. Homöopathie, Akupunktur und andere auf dem Placeboeffekt basierende "Therapien" mögen bei kleineren Sachen helfen, EPP ist aber keine kleinere Sache. Die positive Erwartungshaltung der Umwelt übt dagegen einen Druck auf den Betroffenen auf, was letztendlich kontraproduktiv ist.
Kann man EPP heilen?
Als angeborene Erkrankung ist EPP nicht heilbar.
Gibt es zugelassene Therapien für EPP?
Kaum, und wenig wirkungsvolle. Die Einnahme
von Beta- Caroten hat sich als nicht sehr erfolgreich erwiesen. Einen gewissen Schutz bietet der Aufbau von Hautbräune, wobei dazu
Aufenthalte an der Sonne notwendig wären. Eine künstliche Hautbräunung im
Solarium aufzubauen birgt das Risiko für Hautkrebs, besonders als Langzeittherapie. Einen gewissen Schutz können
Selbstbräuner bieten, wobei der Nutzen beschränkt ist.
Gibt es neue medizinische Entwicklungen?
Ja. Zurzeit befindet sich das Hormonderivat Afamelanotid (Handelsname Scenesse, von Clinuvel) in
der Testphase (Phase 3), es regt die
Hautbräunung hormonell an und führt dadurch zu einem erhöhten Schutz gegenüber
Sonnenlicht. Die bisherigen Ergebnisse lassen sehr hoffen. Das sehr vielverprechende Medikament wäre die einzige zur Zeit verfügbare echte Therapie bei EPP (und einigen anderen Erkrankungen, bei denen Licht zum Problem wird), es muss aber noch die Hürde der Zulassung nehmen.
Wird es Afamelanotid (Scenesse) auch für Kinder geben?
Zunächst muss der Wirkstoff für Erwachsene zugelassen und die Erfahrungen abgewartet werden. Selbstverständlich ist aber die Therapie von Kindern ein Hauptanliegen.
Text: Jasmin Barman